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WVG: Kritik an Ausdünnung des Wolfsburger Busfahrplans

WVG: Kritik an Ausdünnung des Wolfsburger Busfahrplans

Bus der WVG, 213 Badeland
Seit Sonntag sind Busverbindungen auf mehreren Wolfsburger Linien gestrichen. Foto: Michael Uhmeyer / regios24

„Neuer Werbeslogan: Weniger Leistung! Für mehr Geld!“, „Noch weniger Service, aber Fahrpreiserhöhung. Läuft.“ So kommentierten Menschen auf Facebook in der vergangenen Woche die Ankündigungen des Verkehrsverbundes Region Braunschweig, die Fahrpreise – auch in Wolfsburg – zum 1. Januar zu erhöhen, und der Wolfsburger Verkehrsgesellschaft, Busverbindungen zu streichen.

Angesichts der Länge der WVG-Auflistung und eines Pressetextes, in dem das Unternehmen die Fahrplanänderungen in den Randzeiten mit schwacher Auslastung und einem Mangel an Busfahrern begründete, konnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass die Wolfsburger Verkehrsgesellschaft zum 15. Dezember die Eindampfung vorgenommen hatte, die sie dem Rat im Herbst vorgeschlagen, für die sie aber noch keine Zustimmung erhalten hat.

Dem ist nicht so, wie die WVG klarstellt. „Für die im Herbst vorgestellten Änderungen wäre ein Ratsbeschluss notwendig. Hier waren Änderungen im Umfang von rund 10 Prozent der Fahrleistung Grundlage“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Die seit dem 15. Dezember geltenden Anpassungen beträfen dagegen weniger als 2 Prozent der jährlichen Fahrleistung. Die WVG: „Die nun umgesetzten Anpassungen sind Anpassungen in einem Umfang, die im Rahmen des ,laufenden Geschäftes’ in jedem Jahr parallel zum Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn AG erfolgen.“ Das geht auch ohne Ratsbeschluss, die WVG muss sich nur mit der Stadtverwaltung und dem Regionalverband Großraum Braunschweig absprechen.

Seit Sonntag sind auf den Buslinien 201, 202, 203, 204, 211, 212, 213, 215, 216 und 218 Fahrten am späten Abend und in den Morgenstunden gestrichen, und es wurden einige neue Haltestellen ins Liniennetz aufgenommen. Laut Facebook-Posts stehen einzelne Wolfsburger nun vor dem Problem, mit dem Bus rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Eine junge Frau aus Neindorf beklagt in einem Brief an diese Zeitung, dass die WVG bei ihrer Fahrplanänderung Berufstätige ohne Führerschein vergessen habe, die früh an ihrer Arbeitsstelle sein müssen oder abends lange arbeiten. Auch Fußballfans und Partygänger aus Neindorf kämen nicht mehr hin und zurück. „Es kann nicht sein, dass Menschen aus den Dörfern nicht am Leben teilhaben können“, ärgert sie sich.

Kritik kommt auch von den Wolfsburger Grünen. „Wir sehen die Einschränkung der Fahrpläne wie im Sommer zunächst geplant, dann durch den Regionalverbund gestoppt und nun in kleinerer Form ohne Zustimmungspflicht des Regionalverbundes umgesetzt – äußerst kritisch“, so der Grünen-Fraktionssprecher Olaf Niehus. „Wir wollen eine echte Verkehrswende, weg von der veralteten ,Autofahrerstadt’ hin zu einem modernen Verkehrsmix.“ Die Ausdünnung des Busverkehrs in den Randzeiten sei sicherlich verkraftbar, werde aber nicht zu einem besseren Nutzerverhalten führen. „Wer in den Randzeiten keine Chance hat, aus der Stadt nach Hause zu kommen, der wird für den Weg in die Stadt zukünftig eher mit dem Auto fahren. Ebenso schwer ist dem Bürger zu vermitteln, dass eine Einschränkung des Service-Niveaus einhergeht mit einer Fahrpreiserhöhung“, so Niehus. Der Grünen-Ratsherr äußert zudem Unverständnis darüber, dass der WVG Busfahrer fehlen. „Wenn der Tariflohn nicht ausreicht, dann muss man halt über Tarif zahlen“, findet er. „In Kombination mit günstigem Wohnen und einer guten Altersvorsorge könnte die WVG ein interessanter Arbeitgeber sein.“

Die SPD-Ratsfraktion erklärt auf Anfrage, weiter daran zu arbeiten, nicht nur für Wolfsburg, sondern für die gesamte Region kleinere, barrierearme Busse zu beschaffen und flexible Angebote des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern. „Entsprechende Beschlüsse wurden im Regionalverband bereits gefasst“, so der Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Bachmann. Die CDU-Fraktion weist ebenfalls darauf hin, dass der Großraumverband Braunschweig soeben Entscheidungen getroffen hat, die Wolfsburg betreffen. Als Beispiel nennt auch sie die bis zu 50 Kleinbusse, die der Regionalverband ab 2020 beschaffen und für flexible Bedienangebote an Busunternehmen in der Region vermieten will.

Quelle: BZ
16.12.2019
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