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Blumen auf der Bushaltestelle: Kein Projekt für die Region?

Blumen auf der Bushaltestelle: Kein Projekt für die Region?

Foto: Internet

Region. Laut Medienberichten wurden in der niederländischen Stadt Utrecht 316 überdachte Bushaltestellen mit Blumen bepflanzt. Dies soll einerseits das Stadtklima verbessern, zum anderen Lebensraum für Insekten schaffen. regionalHeute.de fragte einmal nach, ob dieses Projekt auch in unserer Region umsetzbar wäre. Die Reaktionen fielen eher verhalten aus.

Die KVG als großes Verkehrsunternehmen, etwa in Wolfenbüttel, Helmstedt und Salzgitter aktiv, ist in diesem Fall nicht der richtige Ansprechpartner. „Die Haltestellenunterstände/Überdachungen an den Bushaltestellen liegen grundsätzlich im Verantwortungsbereich der Städte und Gemeinden und sind auch deren Eigentum. Demzufolge kann ein solches Projekt auch nicht von der KVG initiiert werden“, schreibt Pressesprecher Ronald Kroke auf unsere Anfrage.

Wolfenbüttel: „Ein interessantes Projekt“

Während die Städte Salzgitter und Helmstedt bislang nicht auf unsere Anfrage reagiert haben, zeigt man sich in Wolfenbüttel verhalten positiv gegenüber der Idee der beblumten Haltestellen. „Leider sind die aktuell vorhandenen Wartehäuschen konstruktionsbedingt nicht für eine Bepflanzung geeignet. Die Stadtverwaltung findet das Projekt aber interessant und wird prüfen, ob bei künftigen Sanierungen/Umbauten von Bushaltestellen die Idee aufgegriffen werden kann“, so Stadtsprecher Thorsten Raedlein. „Da diese Sanierungen durch LNVG-Fördermittel erfolgen, muss natürlich auch das dortige Einverständnis eingeholt werden. In Absprache mit der Politik könnten dann entsprechende Haltestellen mit bepflanzbaren Dächern angeschafft werden.“

„Nicht geeignet“ ist auch der Tenor der übrigen Antworten, die wir auf unsere Anfrage erhalten haben. „Zirka zwei Drittel der Bushaltestellen in Wolfsburg sind überdacht. Die neuen Modelle der Buswartehäuschen im Stadtgebiet sind mit transparenten, beleuchteten Dächern ausgestattet bei denen eine Bepflanzung nicht in Frage kommt“, schreibt Elke Wichmann aus der Pressestelle der Stadt Wolfsburg.

Goslar: „Dachlast und Kosten zu hoch“

„Wir wissen Ihre Initiative für die Umwelt zu schätzen, gleichwohl bitten wir um Verständnis dafür, dass wir dem Beispiel aus Utrecht nicht folgen werden“, schreibt Peter Gaschler von der Stadtbus Goslar GmbH. Von 180 Haltestellen im Stadtgebiet seien 90 Haltestellen mit einem Fahrgastunterstand (FGU) ausgestattet. Zum einen seien die Dächer der FGU nicht für eine Bepflanzung geeignet und zum anderen seien sie nicht für die dann entstehenden Dachlasten ausgelegt. „Auch wenn die Idee aus Utrecht durchaus nachahmenswert ist, sehen wir bei uns keine Umsetzungsmöglichkeiten. Zu der genannten Problematik mit der Eignung der Dächer und den Dachlasten, kommt hinzu, dass für die Bepflanzungen erhebliche Mittel aufgewendet werden und die Bepflanzungen entsprechend gepflegt werden müssten. Dies können wir leider nicht leisten“, so Peter Gaschler.

Auch in Braunschweig gibt es kaum Hoffnung auf eine Umsetzung des Projektes. „Die Aufteilung bei Haltestellen sieht vor, dass alle Bushaltestellen Sache der Stadt sind, alle Tram-Haltestellen sind Anlagen der Verkehrs-GmbH. Hier die Dächer zu begrünen ist aber eher unwahrscheinlich, da die Stromversorgung der Tram, die Oberleitung, ein Anlegen von Grünflächen und eine regelmäßige Arbeit an den begrünten Flächen schwer möglich machen“, erklärt Christopher Graffam, Pressesprecher der Braunschweiger Verkehrs-GmbH.

Braunschweig: „Barrierefreiheit geht vor“

Für die Stadt antwortete Pressesprecher Rainer Keunecke: „Von den 718 Bussteigen an insgesamt 371 regelmäßig bedienten Bushaltestellen steht an zirka 340 ein Fahrgastunterstand. Gründächer an Bushaltestellen herzustellen ist nicht vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt in den nächsten Jahren weiter darin, mit den begrenzten öffentlichen Mitteln noch zirka 400 Bussteige barrierefrei auszubauen, damit alle Menschen den ÖPNV möglichst ohne Barrieren nutzen können.“

Die bestehenden Fahrgastunterstände seien statisch nicht auf eine Begrünung, die bei Nässe sehr schwer werden kann, ausgelegt. Seit vielen Jahren würden in Braunschweig zudem Fahrgastunterstände mit transparenten Dächern für eine gute Belichtung eingesetzt. „Diese sind für eine Begrünung nicht geeignet, sodass ein neuer Typ konstruiert werden und die vorhandenen Unterstände ausgetauscht werden müssten. Begrünte Dächer erfordern darüber hinaus einen erhöhten Pflegeaufwand“, so Keunecke abschließend.

Auch die VLG in Gifhorn und die PVG in Peine wurden angefragt, bislang ohne eine Antwort zu erhalten.

 

Quelle: RegionalBraunschweig
24.07.2019

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